angekommen

angekommen und doch noch nicht ganz da
der alltägliche wahnsinn fehlt

angekommen und doch noch nicht ganz da
zeit für vier tage musik am stück

angekommen und doch noch nicht ganz da
unsicher, ob die zukunft der hoffnung entspricht

angekommen und doch noch nicht ganz da
in enger verbindung mit mir selbst

angekommen und doch noch nicht ganz da
der alltägliche wahnsinn fehlt – nur wem?

zärtliche hände

zärtliche hände
hände, die man nicht loslassen will, wenn man einmal von ihnen berührt worden ist
zurückhaltende hände
hände, die nie wieder so vorsichtig und schmeichelnd sind wie beim ersten erkunden des unbekannten terrains

sei der ansatz deines fingers,
sei die spitze seiner kuppe,
leg dein ganzes bewusstsein in die berührung
blende alles andere aus, konzentriere dich nur auf die zärtlichkeit
nur auf das knistern
nur auf den atem
nur auf die hingabe
nur auf das, was es machen soll, nicht auf das wie

und du wirst sie spüren
hände, die man nicht loslassen will, wenn man einmal von ihnen berührt worden ist

imaginäre Bahnfahrt

Unter großem Druck in die Kabine geeilt.
Mit Entsetzen den Zustand derselben begutachtet.
Nur einen Wimpernschlag für eine Entscheidung gebraucht.
Sich dazu entschlossen, das Geschäft im Stehen zu verrichten.

Hastig den Schlitz aufgezwängt.
Das zum Bersten gespannte Ventil freigelegt.
Die Schleuse weit geöffnet.
Aaahh…

Durch eine unsanfte Weiche um den sicheren Stand gebracht.
Mit helfender Hand den Sturz gerade noch vereitelt.
Doch unvermutet mit klebriger Substanz benetzt.
Großflächig bedeckt mit ekelerregendem Schleim.

Der einst so schöne Tag versaut.
Die Laune auf den Tiefpunkt gebracht.
Die Nase bis auf weiteres gestraft.
Bäähh…

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

(Eduard Mörike)

kuss

so ein richtiger, echter, leidenschaftlicher kuss
der dir das sagt, was ich wirklich meine

der dir zeigt, wie sehr ich dich schätze
und wie sehr du mir fehlst

der dir zeigt, was liebe ist
und dich vergessen lässt, wann und wo du gerade bist

mit zunge und mit zeit, und mit kribbeln auf der haut
und mit brennen auf den lippen, wenns vorbei ist

haut auf haut

haut auf haut
einem pinselstrich gleich
der die leinwand mit bedeutung füllt
wie eine feder streichelnd

dann der blick
durchbohrend
magnetisch
magisch

raschelnd, rasselnd
dann aufreibend, verzehrend
verzettelt und zerzaust
entfacht sich das feuer
füllt die luft mit knistern

und dann
wie eine feder streichelnd
einem pinselstrich gleich
haut auf haut

zurück

zurück
müde
glücklich
traurig
reich geworden
und inspiriert

was bleibt, ist fernweh
und das wissen, etwas gefunden zu haben
das erst mit mir sein ende finden wird

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